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Woher stammte mein Vorfahre genau?

Woher stammte mein Vorfahre genau?

 

Einige weitere Details können Sie durch Anklicken der blau gekennzeichneten Passagen abrufen.

 

Am Anfang unserer genealogischen Untersuchungen ist häufig nur der Name der Stadt oder des Dorfes bekannt in welcher oder welchem unser Vorfahre angeblich oder vermutlich gelebt hat. Die präzise Identifikation dieses Ortes ist unverzichtbar. Diese Identifikation führt uns zum Namen des Kreises, Landkreises, Bezirks und zur Gemeinde zu der der Ort gehört oder gehörte.

 

Die Ortsnamen im heutigen Polen sind mit denen der letzten 200 Jahre in den meisten Fällen nicht vergleichbar, da sie sehr häufig wechselten. Die meisten Orte in den früheren Provinzen Schlesien, Pommern, Brandenburg und Ostpreußen behielten ihre Namen nur bis 1945 sind aber heute in Polen nicht mehr gebräuchlich. Da die neuen polnischen Namen in vielen Fällen nicht einmal den alten Namen ähnlich sind, kann man nicht umhin spezielle greographische Wörterbücher und Listen zu benutzen, die alten mit den heute offiziellen Namen zu vergleichen.

 

In den Provinzen Posen und Westpreußen wurden sowohl deutsche wie polnische Namen in den Aufzeichnungen des 19.Jh. benutzt. Grundsätzlich wurden in Westpreußen zum überwiegenden Teil deutsche Namen benutzt und polnische nur gelegentlich in den katholischen Kirchenbüchern. In Posen wurden einige der polnischen Namen nur leicht eingedeutscht und sehr häufig bis 1919 benutzt. Aber in der Regel wurden in den Jahrzehnten vor 1919 mehr und mehr polnische Namen schrittweise eingedeutscht. In Westpreußen aber wurde die polnischen Namen weiterhin durch die katholische Kirche benutzt. Die deutschen Namen waren teilweise direkte Übersetzungen und andere wurden lediglich umgelautet. In vielen Fällen existierte allerdings keinerlei Ähnlichkeit. Nach 1919 wurden wieder die polnischen Namen benutzt und zwar in den Gegenden, die wieder Polen zurückgegeben wurden. Teilweise wurden auch neue polnische Namen eingeführt - normalerweise falls ein Ort vor den polnischen Teilungen noch nicht bestand (z.B. im 18.Jh.)

 

Es gibt keine besonderen Probleme mit den Ortsnamen in Kongresspolen und Galizien - In den meisten Fällen blieben die polnischen Namen unverändert erhalten oder es traten nur kleinere Veränderungen in der Aussprache auf. Die offiziellen russischen Versionen von Ortsnamen in Kongresspolen und den westlichen Gouvernements Russlands (die früher polnisch gewesen waren) unterschieden sich normalerweise nur in der Aussprache - Diese Differenzen ergaben sich aus der erforderlichen Transliteration (Umschreibung) vom lateinischen Alphabeth in das Kyrillische. Hinzukamen einige phonetische Differenzen zwischen Polnisch und Russisch. Dasgleiche betrifft die Differenzen in der gegenwärtigen Aussprache solcher Namen in Polnisch, Weißrussisch und Ukrainisch.

 

Nach 1918 und 1945 wurden einige Ortsnamen in den dann zur UdSSR gehörenden Regionen geändert.

 

Es ist zu beachten , daß die heutigen polnischen Ortsnamen in einigen Fällen sogar von den polnischen Namen des 19.Jhs abweichen. Dieses ist auf die Entwicklung der polnischen Sprache zurückzuführen. Diese Änderungen sind jedoch normalerweise relativ gering.

 

Bitte beachten: Ortsnamen wurden oft von den Immigrationsbehörden in deutsch, französisch oder englisch sprechenden Ländern niedergeschrieben. Ihre Schreibweise gibt häufig Anlass zu vielen Interpretationsfehlern. In vielen Fällen sind somit die Namen in alten Dokumenten wenig hilfreich. Auch mündliche Überlieferungen von Namen können leicht über die Generationen hinweg zu Veränderungen führen.

 

Eine sehr wichtige Voraussetzung für die präzise Lokalisation einer vorgegebenen Stadt oder eines Dorfes ist die Identifikation der administrativen Einheit oder der Kirchengemeinde zu der sie oder es gehörte. Die administrative Gliederung Polens war nie stabil. Auf das Problem der Änderung der Staatsgrenzen wird in einem anderen Kapitel eingegangen. Auf Rafal Prinkes Seiten finden Sie die administrative Gliederung Polens vor 1795. Ich bescheibe hier das System administrativer Gliederung in den Ländern die das heutige polnische Territorium im 19.Jh. regierten.

 

In Preußen war jede Provinz in Regierungsbezirke (2-4) und Kreise gegliedert. Die typische Zahl von Kreisen war 20-40 in jeder Provinz. Für unsere Zwecke ist es sehr wichtig den Kreis zu finden, in welchen unser Ort gehört. Das System von Kreisen und Kreisstädten wurde einige Male geändert aber wurde dann schließlich (ungefähr 1860) fixiert. Ein typischer Kreis bestand aus 100 bis 300 Gemeinden (die genaue Zahl war von der Bevölkerungszahl und deren Religion abhängig). Jede Gemeinde umfasste ein Dorf, manchmal zusätzlich ein paar kleine Einsiedeleien or isolierte Häuser. Größere Landsitze bildeten auch eigene Gemeinden.

 

In Österreich (Galizien), gliederte sich das Territorium der Provinz in Kreise und Gemeinden. Die letzten umfassten einige Dörfer.

 

In Russland und Kongresspolen gab es keine Provinzen desselben Typs wie in Preußen oder Österreich. Das Territorium des Landes war in Gouvernements gegliedert, die keinerlei Autonomie besaßen. Das Gebiet Westrusslands, welches vor den polnischen Teilungen zu Polen gehörte, bestand aus den folgenden Gourvernements: Kurland/Courland, Witebsk/Vitebsk, Kauen/Kaunas/Kowno, Wilna/Wilno/Vilnius, Grodno, Minsk, Mohylev, Wolhynien/Volhynia, Kiew/Kiev und Podolen/Podolia. Das Königreich Polen war ursprünglich in 6 Gouvernements gegliedert: Warschau/Warszawa, Plock, Kielce, Lublin, Kalisch/Kalisz und Suwalken/Suwalki. 1867 wurde deren Zahl auf 10 erhöht und die Sitze der neuen Gouverneure waren: Lomza, Siedlce, Piotrków und Radom. Die neuen Gouvernements gliederten sich in Gemeinden die sich in der Größe denen in Galizien ähnelten (also erheblich größer als die in Preußen waren).

 

Die Verwaltungsgrenzen (Gemeindegrenzen) stimmten nicht notwendigerweise mit denen der Grenzen der Kirchengemeinden irgendeiner der Religionen überein. Eine typisch römisch-katholische oder lutherische Kirchengemeinde in welcher die betreffende Konfession gut repräsentiert war umschloß ungefähr 10 Dörfer. Die griechisch orthodoxen Gemeinden (in Galizien) und die russisch orthodoxen Gemeinden (in Russland und den östlichen Teilen von Kongresspolen) waren normalerweise kleiner und umfassten 1-4 Dörfer. Mit weniger Ausnahmen (besondere neue Gemeinden wurden in den sich entwickelnden Städten gegründet) war das System der Kirchengemeinden während des ganzen 19.Jh. stabil - im Gegensatz zu den staatlichen Verwaltungsgrenzen und -systemen.

 

Als Polen seine Unabhängigkeit im Jahre 1918 zurückgewann, wurde die verwaltungstechnische Gliederung vereinheitlicht. Die Gouvernements und die Provinzen wurden durch Woiwodschaften/województwo ersetzt. Das System der Bezirke und Gemeinden jedoch wurde beibehalten, obwohl sich einige Grenzen bewegten und andere sporadische Reformen bis zum Ausbruch des 2.Weltkrieges stattfanden. Nach dem 2.Weltkrieg wurden die in die polnische Verwaltung übernommenen deutschen Provinzen in dieses System integriert. Dieses System wurde 1975 wesentlich verändert als das neue System kleiner Wojewodschaften (49 insgesamt) eingeführt wurde und die Kreise abgeschafft wurden. Das neue System ignorierte praktisch alle die historischen Verbindungen und die Existenz der traditionellen Regionen. Deswegen wurden 1999 die 'großen' Woiwodschaften (jetzt 16) mit etwa 300 Kreise wiederhergestellt.

 

Die Geschichte der Verwaltungssysteme in Polen ist sehr kompliziert, aber es hilft bei der Suche nach Unterlagen, die für genealogische Untersuchungen unbedingt erforderlich sind. Eine andere Abteilung beschäftigt sich mit dieser Frage.


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